Praxis

Umstellung auf IPv6: Was Unternehmen jetzt schon beachten sollten

Noch vor einem Jahr überschlugen sich Publikumsmedien mit Katastrophenmeldungen vom bevorstehenden Kollaps des Internet. Der Grund: Bekanntlich ist es absehbar, dass die etwas über 4 Milliarden IPv4-Adressen schon bald samt und sonders verteilt sein werden.

Natürlich verspricht der Adressraum des neuen Internet Protocol Version 6 bereits Abhilfe. IPv6 arbeitet mit Adressen, die nicht mehr 32 Bit, sondern 128 Bit lang sind. Entsprechend gibt es im Adressraum von IPv6 die unfassbar große Zahl von 340 Sextillionen verschiedenen IP-Adressen. Das sind mehrere Dutzend Quadrilliarden Adressen pro Kopf der Weltbevölkerung.

Was IPv6 allerdings problematisch macht, ist die Tatsache, dass es nicht abwärts kompatibel ist: Alte IPv4-Adressen sind im IPv6-Adressraum nutzlos, die IP-Welten v4 und v6 sind inkompatibel.

Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang viele unserer Kunden stellen, ist natürlich: Wann mit dem Umstieg beginnen? Die einfache Antwort: jetzt. Und zwar in Form eines parallelen Betriebs von IPv4 und IPv6.

IPv6 und IPv4 im Parallelbetrieb

Ein Dual Stack-Ansatz, also ein paralleler Betrieb von IPv4- und IPv6-Infrastruktur für die Übergangszeit, bis IPv4 endgültig abgeschaltet sein wird, ist prinzipiell kein Problem, erst recht nicht für Backbone-Betreiber wie die Plus.line AG. Unser eigenbetriebener Backbone ist schon seit Frühjahr 2008 IPv6-fähig. Seitdem stellt etwa der Heise Verlag seine IPv6-Angebote über unseren Backbone zur Verfügung, und auch beim DE-CIX, dem deutschen Internet-Exchange in Frankfurt, gibt es bereits die Möglichkeit des IPv6-Routings: Wo IPv6 noch nicht verfügbar ist, können IPv6-Datenpakete einfach mithilfe eines IPv6-in-IPv4-Tunnels über IPv4-Netze geschickt werden.

Load Balancing für IPv6

Die in Server Farmen üblichen Load Balancer arbeiten sehr viel mit Network bzw. Port Address Translation und sind auf den IPv4-Adressraum festgelegt. Zugleich ist das Load Balancing eine so zentrale und wichtige Funktion, dass sich ein Load Balancer nicht einfach abschalten lässt. Auch uns als Hoster betrifft dieses Load Balancing-Problem. An manchen Stellen der Infrastruktur bringt IPv6-Fähigkeit einfach eine Verdoppelung der technischen Ausstattung mit sich. Ist solch ein Load Balancer dann aber IPv6-fähig, kann er natürlich Services nach außen hin unter v6 verfügbar machen, obwohl er die eigentliche Server Farm, die er hinter sich hat, wie bisher über NAT und IPv4 anspricht. Auf diese Weise sind selbst große Webauftritte, die eigentlich auf IPv4 beruhen, dennoch über IPv6 erreichbar zu machen.

Entscheidend: Jetzt Erfahrungen sammeln

Die Umstellung von IPv4 auf IPv6 ist ein Prozess, der noch Jahre dauern dürfte. Bis wirklich die letzte IPv4-Adresse abgestellt ist, wird noch einige Zeit vergehen. Weil IPv6 aber unaufhaltsam kommt, ist es jedenfalls sinnvoll, sich so früh wie möglich mit IPv6 zu beschäftigen. Dabei geht es nicht darum, IPv4 von heute auf morgen hart abzuschalten, sondern IPv6 zunächst parallel zu konfigurieren – um einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen. Prinzipiell ist es für ein Unternehmen recht simpel, Zugang zu einem IPv6-Netzwerk zu erhalten: Die Voraussetzung ist IPv6 auf dem PC, ein Router mit IPv6-Fähigkeit oder ein IPv6-in-IPv4-Tunnel bis zum nächsten IPv6-fähigen Router.

Der Parallelbetrieb mit IPv6 ist schon deswegen sinnvoll, weil ein Unternehmen nur auf diese Weise Erfahrungen sammeln und wertvolles Problemwissen erwerben kann. Welche spezifischen Schwierigkeiten in einem Firmennetzwerk, mit dem Name Service oder auf der eigenen Website auftreten, kann ein Unternehmen nur dann erfahren, wenn es die IPv6-Technik tatsächlich testet.

Der wichtigste Rat, den wir als ISP unseren Unternehmenskunden im Zusammenhang mit der IPv6-Umstellung geben können, ist vielleicht dieser: es schadet nicht, sich ab sofort damit zu beschäftigen. Im Gegenteil. Und selbstverständlich stehen wir von der Plus.line AG unseren Kunden jederzeit mit Rat und Tat bei ihren Fragen zur Umstellung auf IPv6 zur Verfügung.